Ein etwas anderer Urlaub in Marokko
- Corona Lockdown

Gastbeitrag von Jutta und Christian

Christian berichtet hier, was er und seine Lebensgefährtin Jutta in einem aufregenden Urlaub in Marokko während des Corona Lockdowns erlebt haben:

Da ich im Oktober aufgehört habe zu arbeiten und endlich mal länger Urlaub machen wollte, war die Vorfreude auf den fünfwöchigen Urlaub im März 2020 sehr groß. Weil meine Lebensgefährtin Jutta noch arbeiten muss, haben wir beschlossen, dass ich mit unserem selbst ausgebauten blauen Peugeot Expert, vom Schwarzwald aus, nach Sevilla fahre und Jutta dann dort vom Flughafen abhole. Sie hat leider nicht mehr als vier Wochen Urlaub bekommen. Mit unserem Hund Perri bin ich am 25. Februar losgefahren, ganz gemütlich über die Landstraße an die französische Atlantikküste. Es war traumhaft schön, denn wir waren fast allein.

Jutta und Christian
Mini Camper im Corona Lockdown

Jutta und Christian nach dem Corona Lockdown in Marokko: Die Zeit in Marokko war ein wirklich einschneidendes Erlebnis – am Anfang geprägt von Unsicherheit bis zu einem herrlichen Gefühl, in einem Land sicher und willkommen zu sein.

Die Fahrt durch Spanien war auch herrlich – so waren Perri und ich am 3. März in Sevilla um Jutta am Flughafen abzuholen. Der Flughafen in Sevilla ist sehr klein, weshalb es kein Problem war, Jutta zu finden. Da unser Expert nur 2,05 m hoch ist, konnte ich auch ganz normal im Parkhaus stehen. Man hörte schon von Corona, aber ich habe nur 2 Personen im ganzen Flughafen mit Mundschutz gesehen. Corona war damals noch recht weit weg und der Gedanke an ein Corona Lockdown so fremd.

Die Ankunft in Afrika

Am 05.03.2020 ging die Fähre und wir waren um 23:00 Uhr das erste mal gemeinsam in Afrika.

Die Grenzformalitäten waren kein Problem und wir haben in dieser Nacht in TangerMed übernachtet. Danach fuhren wir nach Chefchauen, auch bekannt als die blaue Stadt. Da der Campingplatz in der Nähe der Innenstadt ist, haben wir unseren Hund Perri im Auto gelassen. Der Weg war wirklich schön und es war nicht viel loß. So konnten wir gemütlich durch den Markt – auch Souk genannt – schlendern und die wunderschöne Stadt betrachten.

Am nächsten Tag ging es weiter über das Riff-Gebirge und an der Mittelmeerküste entlang. Wir hatten sehr schöne Ausblicke auf das Meer. Es ging über Nador und Oujda an der algerischen Grenze weiter Richtung Süden. In Guefait auf der Hochebene hatten wir nachts sogar Frost, sodass wir morgens voller Staunen die Schicht Raureif auf unserem Tisch betrachteten. In so einem Moment weiss man die Standheizung sehr zu schätzen.

VanDog
marokkanische Katze

Immer weiter Richtung Süden

Für uns ging es dann weiter nach Figuig, einer wunderschönen Oase in der Nähe von Algerien. Hier blieben wir zwei Tage. Wegen Perri schauen wir immer, dass wir nicht zu belebte Orte anfahren. Dort war es perfekt für ihn.

Auf der ganzen Fahrt waren wir begeistert von den unterschiedlichen Farben der Trockenheit, aber auch davon, dass man überall am Straßenrand immer wieder Menschen gesehen hat. Erg Chebbi hat uns auch sehr beeindruckt, nur unserem Hund hat der viele Sand nicht behagt.

Am 15.03.2020 haben wir in Quarzazate auf dem Campingplatz, an dem auch viele Appartements sind, von anderen Touristen von der Ausreisesperre und dem Einstellen der Fähren und Flüge erfahren.

Das haben wir recht gelassenen gesehen, uns aber mal näher mit der Materie auseinandergesetzt.

Da uns der Platz nicht sehr gefallen hat, sind wir weiter gezogen. So sind wir über den Hohen Atlas gefahren und können diese Route nur jedem empfehlen. Nach drei Tagen sind wir in Ouzoud auf dem Campingplatz Zebra angekommen und haben beschlossen, die Entwicklungen abzuwarten.

Der Campingplatz ist sehr sauber und hat tolle Duschen. Von Ouzoud kann man recht schnell nach Marrakesch fahren – auch ist es möglich an einem Tag bis TangerMed zu kommen. Da der Campingplatz auf 900 Metern liegt, ist es dort auch nicht zu warm. Zudem ist der Ort für seinen Wasserfall bekannt, den wir exklusiv für uns hatten.

Marokko Wasserfall

Jetzt ist es gewiss: Corona Lockdown in Marokko

Am Samstagmorgen kam der Campingplatzverwalter und sagte uns, dass wir zahlen und am Sonntag abreisen müssen. Wir haben gezahlt und uns darauf eingestellt, in Ceuta eine Fähre zu nehmen. Um 22:00 Uhr ist er dann nochmal gekommen, und hat uns die Info gegeben, dass es am Sonntag ab 2:00 Uhr im ganzen Land ein Fahrverbot geben wird. Wir können gleich fahren oder bleiben, müssen ihm dann aber am Sonntag die Schlüssel der Autos übergeben.

In unseren Köpfen schwirrten die Bilder der zahlreichen Camper vor den Häfen herum – wie sie in der Schlange stehen und im Corona Lockdown nichts anderes tun können als abzuwarten. Deshalb haben wir uns fürs Bleiben entschieden.

Auf dem Campingplatz fanden 12 Camper Platz. Darunter waren ein Franzose, zwei Engländer, zwei Holländer und sieben Deutsche. Wir haben immer etwas Abstand gehalten, fühlten uns aber recht wohl, da niemand Symptome hatte. In der Situation waren wir auch froh ein Fieberthermometer dabei zu haben.

Maßnahmen im Corona Lockdown in Marokko

Jutta hat sich mal vorsorglich in die Krisenvorsorgeliste eingetragen. Eine Information über einen Flug haben wir jedoch nicht erhalten. Wir hatten nun ja Zeit und haben immer mehr Infos über die Entwicklungen in Europa und Marokko bekommen und erfuhren auch, wie wenig Fälle es hier gab. Die Informationen waren nach Regionen. So konnten wir feststellen, dass es im Regierungsbezirk, in dem wir waren, nahezu keine Fälle gab. Auch der Campingplatzverwalter hat uns informiert, dass es im Ort keinen Fall gibt. Wir wurden immer ruhiger.

Auch wenn die Ausgangssperre im Corona Lockdown bedeutete, dass nur noch wichtige Dinge erledigt werden dürfen, konnten wir uns frei bewegen. Morgens sind wir mit Perri eine ausführliche Runde gelaufen und haben immer Menschen getroffen, die mit Moped, Esel oder zu Fuß unterwegs waren – oder einfach nur auf Schafe oder Ziegen aufgepasst haben.

Man wurde freundlich gegrüßt und wir haben nie eine ablehnende Haltung erfahren. Häufig haben wir immer wieder die gleichen Menschen getroffen. Auch konnten wir auf dem Weg in den 2 ½ Monaten zusehen, wie ein Haus bis zum ersten Stock gebaut wurde – der Ablauf ist wirklich anders als bei uns.

Verpflegung im Corona Lockdown

Am Anfang wurden der Campingplatz und alle Fahrzeuge zweimal desinfiziert, natürlich haben die Teams gewartet, bis wir unsere Sachen in Sicherheit gebracht haben.

An einem Tag kam ein Transporter der Gemeinde und hat allen Campern einen Sack mit je 10 kg Mehl, Reis, Nudeln, Tee und Öl gebracht, ein Care-Paket für Camper. Wir waren sehr überrascht, auch sehr beschämt über diese Großzügigkeit. Natürlich gab es immer ausreichend Waren zu kaufen wie Mehl, Hefe, Nudeln und WC-Papier. Das alles war in den Läden jederzeit vorhanden.

Das Leben in der Ausgangssperre

Der Campingplatz ist 10 Minuten vom Zentrum des Ortes entfernt. Dort gibt es Bäcker, Gemüsehändler, Metzger, eine Apotheke, weitere Lebensmittelgeschäfte und einen Zigarettenladen, der Zigaretten und Papers hatte, aber keinen Tabak. Der Metzger konnte ein paar Worte deutsch und fragte immer: „300 g Hackfleisch?“. Da uns das Futter für Perri ausging, haben wir sein Futter auf Hackfleisch mit Reis umgestellt – er hat es mit Begeisterung gefressen.

Der Gemüsehändler war sehr freundlich und sagte uns immer bescheid wann es frische Avocados gab. Überrascht hat uns auch, dass wir auch am nächsten Tag bezahlen konnten, wenn wir kein Kleingeld hatten und er nicht auf unsere großen Scheine herausgeben konnte. Im Ort waren 2 Polizeikontrollen, die immer freundlich gegrüßt und nachgefragt haben, wie es einem geht – immer mit einem Lächeln auf den Lippen. Nach ca.10 Tagen ist die Maskenpflicht eingeführt worden. Marokko hat die Textilproduktion im Corona Lockdown auf Masken umgestellt und somit waren auch Masken überall erhältlich. Der marokkanische König hat zudem festgelegt, dass eine Maske nur 8 Cent kostet!



Informationen über Corona

Die Informationspolitik von Marokko war sehr gut. Zweimal am Tag gab es Zahlen mit Getesteten, Infizierten, Gestorbenen und Genesenen. Es wurde auch eine intensive Kontaktnachverfolgung betrieben um alle Infektionswege zu berücksichtigen. So langsam kam uns die Erkenntnis, dass wir hier recht sicher waren, vor allem im Vergleich zu Spanien und Frankreich oder Italien. Auch waren die Zahlen bedeutend geringer als in Deutschland. Einmal war ein Verdachtsfall im Ort. So hat uns der Verwalter sofort informiert und gleich angeboten, dass er auch für uns einkaufen kann. Es stellte sich nach zwei Tagen heraus, dass es etwas anderes war.

Natürlich wurden mit der Einstellung der Fähren auch alle Schulen und Moscheen geschlossen. Schulen werden im September wieder aufmachen und die Moscheen waren über die gesamte Zeit geschlossen.

Wir kochen normalerweise mit einem kleinen Stechkartuschenkocher – mit der Zeit sind unsere Kartuschen aber zur Neige gegangen. Der Campingplatzverwalter hat uns angeboten, Kartuschen in der nächst größeren Stadt zu besorgen. Da wir aber auch einen Benzinkocher dabei hatten, einen Enders von 1960, haben wir diesen verwendet. Er hat nach anfänglichen Schwierigkeiten dann wunderbar seinen Dienst verrichtet. Der Campingplatzverwalter hat uns einen 20 Liter Benzinkanister besorgt, auch wenn es weit und breit keine Tankstelle gab. So durften wir das Benzin dann selber entnehmen, wenn wir es brauchten. Wir sollten es ihm dann nur bei der Abrechnung sagen.

Kochen und Backen im Van im Corona Lockdown

Wohnmnobil diy Nudeln

Auch die Küche und alle Pfannen und Töpfe der Küche konnten wir verwenden. Da ich sehr gerne koche, habe ich die Zeit sehr gerne dazu genutzt selbst Nudeln, Kuchen in der Pfanne oder Pfannenpizza zu machen. Mit dem Holländer habe ich mich mal über einen „Backring“ unterhalten: damit funktioniert jede Pfanne wie ein Omnia, und er hat mir sogar einen gebastelt. Den Kuchen habe ich immer unter den Campern verteilt, was super angekommen ist.

alter Benzinkocher
Backen im Corona Lockdown

Internet und Bargeld

Internet ist in Marokko sehr günstig, ein GB kostet dort einen Euro. So haben wir viel auf Instagram und Youtube gemacht. Da ich viel Zeit hatte, habe ich sogar zwei Youtube-Vlogs über Ouzoud und den Corona Lockdown gemacht (Video 1, Video 2). Meine Hochachtung über den Aufwand von allen, die regelmäßig Vlogs machen ist umso mehr gestiegen. Es war wirklich zeitaufwendig, aber toll, dass ich die Zeit dafür gefunden habe. Die Entschleunigung war schon sehr gut. Juttas Bücher waren relativ bald ausgelesen. Da wir aber einen Leseausweis der Stadtbücherei Lahr haben, konnte sie ohne Probleme weitere herunterladen.

Wir haben pro Nacht 10 Euro bezahlt, jede achte Nacht war kostenlos. Eine Bank gab es im Ort nicht und mit Kreditkarten konnten wir im Ort nicht bezahlen. Auch wenn wir viel Bargeld dabei hatten, wurde es knapp. Wir fragten den Campingplatzverwalter, ob wir ihm Geld überweisen können und er gab uns die Daten. Nach 5 Tagen war das Geld auf seinem Konto und er hat es ohne eine Provision ausgezahlt. Allerdings hat unsere Bank kräftig Gebühren verlangt.



Der Ramadan in Marokko im Corona Lockdown

Dann kam der Ramadan und wir wussten nicht, wie es wird. In den Reiseführern steht mehrheitlich, dass die meisten Touristen zu dieser Zeit schon aus dem Land sind. Also haben wir es mal auf uns zukommen lassen. In Marokko wird über den Ramadan die Zeit um eine Stunde vorgestellt, sodass es um 19:00 Uhr schon dunkel ist. Auch wurde eine Ausgangssperre von 19:00 Uhr bis 5:00 Uhr am Morgen verhängt. Das hat uns nicht wirklich gestört, da es um 19 Uhr eh dunkel war und 5 Uhr morgens auch nicht unsere Zeit ist.

Der Campingplatzverwalter sagte uns am ersten Abend, dass er uns zum Essen einlädt, über den ganzen Ramadan an jedem Abend. Wir Camper saßen immer an einer langen Tafel, haben gut gegessen und viel geredet – es war so normal. Wenn man in dieser Zeit die Bilder aus Europa gesehen hat, fühlten wir uns wirklich wie „Lost in Paradise“. Einkaufen waren wir dann halt nicht mehr morgens, da waren die Geschäfte geschlossen, sondern zwischen 15:00 Uhr und 16:00 Uhr. Die Auswahl an Backwaren, Brot und Lebensmitteln war auch viel größer als sonst.

Sonne Marokko

Da Ouzoud auf 900 Metern Höhe liegt, war das Wetter auch sehr angenehm, vor allem nachts war man um einen Pullover froh.

Und dann war es soweit: Ein Ende ist in Sicht

Da Marokko die Ausgangssperre immer wieder um einen Monat verlängerte, sind wir davon ausgegangen, dass vor Juli nichts passiert. Vor allem auch weil wir von der deutschen Botschaft nichts gehört hatten. Alle Infos auf der Homepage waren zwei Tage älter als die aktuellen Regeln.

Umso überraschter waren wir, als plötzlich eine Mail an Jutta gekommen ist, dass eine Fähre nach Malaga von der Botschaft organisiert worden ist. Wir haben uns registriert und auch ein Schreiben erhalten, mit dem wir eine Fahrerlaubnis beantragen konnten. Die Fahrerlaubnis beantragten wir in einem anderen Ort.

Ein freundlicher Franzose, der manchmal auf dem Campingplatz vorbei gekommen ist, aber in einem Appartement wohnte, hat uns dahin gefahren. Nach 30 Minuten hatten wir die Fahrerlaubnis. Das Schönste war, dass der Beamte auch für den Franzosen eine Bescheinigung ausgestellt hat, auch ohne ein Schreiben von der Botschaft. Die Bescheinigung des Franzosen war nur mit dem Hinweis versehen, dass wir gemeinsam fahren müssen.

„So viel Menschlichkeit und Gastfreundschaft hat mich wirklich beeindruckt. Auch wenn wir in dieser Zeit nur eine winzige Ecke von Marokko genau kennenen lernen durften, was wir gesehen und erlebt haben, war überwältigend“

Die Heimreise nach dem Corona Lockdown

Nun ging es recht schnell – wir fuhren an einem Tag von Ouzoud nach TangerMed und dann auf die Fähre. Unterwegs waren gut 10 Polizeikontrollen, die unsere Fahrerlaubnis sehen wollten. Wir waren wirklich froh, die Fahrerlaubnis zu haben. Vor der Fähre mussten wir warten, bis wir in den Hafen durften. Dort trafen wir einige Urlauber die viel Negatives über ihre Zeit in der Ausgangssperre berichteten. Allerdings hatte wir den Eindruck, dass viele der negativen Schilderungen sehr herablassend waren. Und nun ja, wir finden: wie man in den Wald ruft, so schallt es auch heraus.

Fähre nach dem Corona Lockdown

Wir sind schlussendlich in 8 Tagen auf kleinen Straßen durch Spanien und Frankreich bis zur deutschen Grenze gefahren und haben ganz alleine auf wunderschönen Plätzen gestanden. Wir hatten tatsählich nur eine Kontrolle in Nordspanien.

Kurz vor der Grenze haben wir uns bei der zuständigen Dame unserer Gemeinde über die häusliche Quarantäne erkundigt, denn in Marokko gibt es viel weniger Fälle als in jedem Land von Europa. Sie sagte uns, dass keine Ausnahmen gelten.

Da jedes Bundesland eine andere Regelung hat und es den Bayern reicht, wenn man 72 Stunden in der EU ist, sind wir noch 6 Tage durch Bayern gefahren und hatten dort eine sehr schöne Zeit. 14 Tage, nachdem wir die EU betreten hatten, waren wir dann wieder in Lahr. Es lebe der deutsche Flickenteppich.

Der Satz „Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erleben“, trifft auf diesen Urlaub wirklich zu.

 

 So wurden aus fünf Wochen am Ende über 13 Wochen, mit wunderschönen Erlebnissen und vielen, sehr netten Bekanntschaften.

Ganz liebe Grüße

Jutta und Christian

 

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