Vanlife im Bulli - Eine Europareise im VW T6 California

Gastbeitrag von beautiful-vanlife.de

Das Vanlife ist momentan in aller Munde. Von diesem Begriff versprechen sich viele unabhängiges und flexibles Reisen. Es gibt jedoch auch Hürden zu überwinden und man muss sich auf ein komplett umgestelltes Leben einlassen. Mit an Board des T6 ist mein Freund. Im folgenden Gastbeitrag berichte ich von den Erfahrungen aus dem Vanlife im VW Bulli auf unserer Reise durch Europa.

Der Entschluss das normale Leben im 9-to-5-Job aufzugeben und sich ins Vanlife zu begeben schwirrte eher langfristig gesehen schon einige Monate in unserem Kopf. Richtig „Klick“ gemacht hat es dann Ende Juli 2019, worauf wir uns sehr schnell nach einem Gefährt umgeschaut haben. Für uns kam kein Selbstausbau in Frage, da wir uns handwerklich noch nicht unter Beweis stellen mussten und auch das nötige technische Equipment gefehlt hat. Die Suche nach einem vollausgebauten Fahrzeug war für uns daher der einzige Weg.

Angebot und Nachfrage bestimmen auch hier den Markt. Das war uns relativ schnell bewusst, denn schon kurze Zeit später mussten wir unseren Suchradius korrigieren und sind dann auf ein Angebot gestoßen. Die Nadel im Heuhaufen war dann unser jetziger Bulli. Er ist ein schwarzer T6 California Ocean mit nahezu Vollausstattung. Bis heute sind wir mit dem Modell sehr zufrieden und schätzen am meisten die Kompaktheit. Der Stauraum ist ebenso überraschend gut.

T6 California

Der VW Bus stand nun also vor der Tür und wartete auf die Abreise. Bis dahin vergingen noch zehn Wochen, welche natürlich voll im Zeichen der Vorbereitungen standen. Eine langfristig geplante regionale Veränderung ließ uns nicht lange zögern die Wohnung im Großraum Stuttgart aufzugeben. Ein Nachmieter und gleichzeitiger Abnehmer unseres gesamten Mobiliars war der Lage geschuldet sehr schnell gefunden. Der Zeitpunkt für ein ordentliches Aussortieren war ebenfalls perfekt.

Wohnungsaufgabe und Flohmarktverkauf für das Vanlife im Bulli

So verbrachten wir einen Samstag und Sonntag auf dem Flohmarkt und haben alles verkauft, was wir nicht mehr benötigen. Es war ein echter Befreiungsschlag und hat ganz nebenbei auch noch die Reisekasse gefüllt. Zudem mussten noch viele organisatorische Dinge wie Versicherungen und Mobilfunk geregelt werden. Zusammen mit der immer weiter gestiegenen Vorfreude, hat das viel Spaß gemacht.

Kurz vor der Abreise haben wir noch wenige Umzugskartons bei unseren Familien untergestellt und sind dann am 1. November 2019 in unser größtes Abenteuer gestartet. Die erste dreimonatige Etappe hat uns nach Frankreich, Spanien und Portugal geführt. Im Nachhinein betrachtet, war das die vollkommen richtige Wahl für den Einstieg ins Vollzeit-Vanlife. Ich werde später auflösen, warum das so ist.

Vom Meer angezogen war die Mittelmeerküste nach den französischen Alpen unser erstes großes Ziel. Auf dem Weg dorthin haben wir bei dem schlechten Wetter direkt zu spüren bekommen, was es heißt auf engstem Raum im Bus zu bleiben. Jedoch haben wir hier auch die ersten Sonnenstrahlen genießen können und waren schon jetzt beflügelt für alles, was noch kommen sollte. Auch die kleinen Hürden, welchen man sich beim Vanlife im Bulli stellen muss. Denn für alles, kann man keinen Plan haben.

T6 California Schlüssel
französische Alpen

So standen wir etwa mit leerem Wassertank vor einem Wasserhahn. Adapter und Schlauch, wie die erfahrenen Wohnmobilisten, hatten wir nicht dabei. Zwei Wasserflaschen und Panzertape wurden unter Zuhilfenahme eines Teppichmessers unser neues Tool zur Befüllung des Wassertanks. Bis heute nutzen wir unser damaliges „Provisorium“ zuverlässig und benötigen keinen Ersatz oder Austausch dafür. Hier war uns auch zum ersten Mal klar, dass man gelassen bleiben und Kreativität beweisen muss.

Relativ schnell haben wir unser eigenes Tempo gefunden und ein Gespür für angenehme Stellplätze entwickelt. Dabei haben wir meistens auf eine bekannte App zurückgegriffen oder sind selten auch mal mithilfe der Umgebungskarte auf die Suche nach geeigneten Schlafplätzen gegangen. Außerhalb der Sommersaison stellte das auch überhaupt kein Problem dar. Die Reisezeit war übrigens ein weiterer Faktor, welcher uns die Gewöhnung ans Vanlife einfach gemacht hat.

Vorteile vom Reisen in der Nebensaison

Menschenleere Strände und oft auch Stellplätze ganz für uns alleine waren beim Reisen außerhalb der Saison wohl der größte Vorteil. Viele Einheimische und auch andere Camper berichteten nicht selten von überfüllten Zuständen im Hochsommer. Wenn ein kleiner Strandparkplatz dann überfüllt ist und man auf der Suche nach einem Schlafplatz ständig weiterziehen muss, ist das sicher kein entspanntes Reisen. Natürlich sind es keine 30 Grad im Schatten, aber genau diesem Wetter wollen wir mit unserem schwarzen Bulli auch umgehen. Zudem möchten wir uns nicht nur vom Strand ins Wasser begeben, sondern uns die Umgebung mit ihren Sehenswürdigkeiten anschauen.

Das Angebot von Restaurants und Einkaufsmöglichkeiten ist in touristischen Orten außerhalb der Saison ebenso begrenzt. Ist es aber nicht ohnehin schöner, in den Lokalen zu Essen, welche auch die Einheimischen ganzjährig besuchen? Wir finden, ja und waren ohnehin nur circa zwei Mal im Monat auswärts essen. Das Kochen im Bulli hat nämlich viel mehr Spaß gemacht, als ich es mir als Hobby-Köchin vorgestellt habe.

Vanlife Dusche
Nazare

Auch die Ver- und Entsorgung spielt im Vanlife eine relativ große Rolle, denn Frischwasser ist kostbar und man lernt es schnell zu schätzen. Wir haben in der gängigen Park-App für Camper meistens nach kostenlosen Wohnmobil-Stellplätzen geschaut, denn diese haben zu 99% auch eine Ver- und Entsorgungsstation. Diese meist kommunalen Plätze waren für uns in der ersten Etappe eine sichere Anlaufstelle. In Frankreich, Spanien und Portugal stellte das auch überhaupt kein Problem dar und wir konnten unsere Tanks regelmäßig befüllen und eben auch leeren. Das ist auch der Grund, weshalb diese Länder ein guter Einstieg ins Vanlife sind.

Die zweite Etappe sollte uns dann für den gleichen Zeitraum nach Italien und Griechenland führen. Hier stellte sich nämlich eine andere Situation heraus. Wir sind Liebhaber des Wassers und halten uns daher auch die meiste Zeit in dessen Nähe auf. In Italien sind die Ver- und Entsorgungsstationen relativ rar und befinden sich, wenn überhaupt, nicht in der Nähe der Küste. Kleine Quellen am Straßenrand waren daher gern gesehen und wurden jedes Mal genutzt. Ähnlich verhielt sich das auch in Griechenland. Die Quellen in Dörfern waren hier unsere Anlaufstelle, um den Wassertank zu füllen.

Vanlife Adriaküste
Stellplatz unter Bäumen

Highlights aus den ersten vier Monaten Vanlife

Insgesamt war das Thema der Ver- und Entsorgung zwar präsent, aber nicht lästig oder sehr aufwändig. Die Zeit in den Städten, an den Stränden und in der Natur haben wir sehr genossen. Die Highlights dabei waren die Folgenden:

  • Die französische Camargue: Das flache Land mit den stehenden Gewässern und den unzähligen Flamingos waren ein tolles Bild.

  • Barcelona: Ein ruhiger Stellplatz am ehemaligen olympischen Dorf und das tolle Feeling der Stadt waren eine willkommene Abwechslung zum naturreichen Vanlife.

  • Die portugiesische Algarve: Diese Region ist ein häufiges Ziel zum Überwintern von Campern. Die Farben der Felsen direkt am Meer haben uns sofort in ihren Bann gezogen.

  • Die griechische Insel Lefkada: Hier war es das Meer selbst, welches uns mit seinem intensiven türkisblau fasziniert hat.

Vanlife Camargue
Vanlife Griechenland

Allgemein sind wir durchweg freundlichen Menschen begegnet, welche immer am Vanlife im Bulli interessiert waren. Einheimische haben sich meist gefreut, dass man auch außerhalb der Saison das etwas ruhigere Leben in ihrer Region genießt und sie nicht nur wegen der Sonne besucht. Die Begegnung mit anderen Campern war ebenso interessant und oft sehr gesellig. Ob im riesigen Wohnmobil, dem schicken und selbstausgebauten Sprinter oder einem historischen Fahrzeug – die Geschichten und Beweggründe hinter den Reisenden waren immer spannend und sehr vielfältig. Es sind sogar schon Freundschaften entstanden, welche täglich gepflegt werden und wo große Pläne bestehen.

Das Vanlife im Bulli stellt für uns das wohl größte Abenteuer in unserem Leben dar. Schon nach der ersten Etappe waren wir uns einig: Wir möchten das länger machen! Die üblichen drei Mal drei Monate werden wohl gegen einen ungewissen Zeitraum ersetzt und bescheren und hoffentlich noch mehr Spaß auf unseren Reisen.

Möchtet ihr mehr von unserem Vanlife im Bulli erfahren? So schaut auf meiner Seite beautiful-vanlife.de vorbei. Hier bekommt ihr ein wöchentliches Update zu unserer Reise, Tipps für Camping Zubehör und natürlich unsere Vanlife Kosten im Überblick.

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